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Ohhhhh-dysseus... Oh-oh!

20.7.: Wir waren am Montag (zum ersten Mal in diesem Jahr, für alle die Buch führen) im Kino und haben uns die Odyssee angeschaut. Bevor ich aber zum Film komme, hier ein paar Beobachtungen, was das moderne Kinoerlebnis angeht:

1.) Die Webseite vom Kinopolis in Bad Godesberg ist mittlerweile so mit Werbung überladen, dass man fast nicht mehr seinen Film findet, den man schauen wollte. Wenn das in der Gegend nicht noch immer der einzige wäre, der regelmäßig OV anbieten täte... Das Buchungssystem wird auch jedes Mal undurchsichtiger, finde ich. Vor allem, weil mal am Anfang mit "Montags ab 9,49€" gelockt wird, dann aber ganz am Ende der Buchung erst herausfindet, dass das nur in den Ferien für Schüler und Studenten gilt. Ja danke auch, ich hätte echt Lust, euch den Verbraucherschutz wegen irreführender Werbung auf den Hals zu hetzen. Albern: Man kann dann auch direkt sein Popcorn und die Getränke dazu buchen. Gut, für Kurzentschlossene vielleicht ein ganz nettes Feature, aber wenn ich jetzt 'ne Woche im Voraus buche, eher... albern. ;-)

2.) Im Kino selber kann man ja irgendwie nur noch Karten an irgendeinem Terminal kaufen. Gut, macht man ja eh online, so oder so, und man muss sich nicht mehr in kilometerlange Schlangen einreihen. Trotzdem etwas seltsam. Dann kann man da auch direkt wieder sein Popcorn dazu buchen. Witzig ist schon.

3.) Im Parkhaus steht noch immer das abgemeldete (mittlerweile nicht mehr wirklich) weiße (wegen Staub und Dreck) Auto rum. Das war letztes Jahr schon da, meine ich. Steht vorne links mittlerweile auf der Felge, weil einer die Luft raus gelassen hat. Derweil gibt es keine Schranken mehr und man wird wie überall an der Einfahrt und der Ausfahrt kennzeichengescannt. Diesen Systemen traue ich ja ü-bär-haupt-nicht! Und wenn man am Ende eine Quittung haben will: Nicht auf Papier! Man muss den Bildschirm abfotografieren. Helfen Sie mit, Papier zu sparen! Ja, klar: Deswegen muss man im Kino ja auch so einen kleinen Zettel mit nehmen, auf dem der Rabatt-QR-Code drauf ist, die dann natürlich - mangels Mülleimer vor Ort - alle auf dem Boden vor dem Kassenautomaten rum fliegen. Ihr habt doch alle 'n Ratsch im Kappes!

4.) Der Film ist ja eigentlich in iMax gedreht. Also, so richtig, auf Film, steht sogar im Abspann. (Die Firma Kodak wird es freuen. Wie viele Kilometer haben die wohl verballert für dem drei-Stunden-Streifen?) Anyways: Da es in ganz Deutschland gefühlt überhaupt nur drei iMax-Kinos gibt, haben wir natürlich mal wieder nichts davon gehabt. Ich mein, wenigstens das Seitenformat hätte ich dann gerne, nicht diese geletterboxe. Aber komm, ich reg mich nur wieder auf. Und selbst wenn wir uns nach Köln durchgeschlagen hätten, oder wo auch immer das nächste solche Kino wäre: In Deutschland trotzdem nur digital. Pff... (Dortmund, übrigens, wenn ich das richtig sehe. Das ist mir dann doch ein bisschen weit weg, Kinners.)

So, das ist mein Beef mit der Filmwirtschaft. Nun zum Film selber:

Als kurzes, spoilerfreies und unmaßgebliches tl;dr vorweg: Ja. Kann man sich anschauen. In dieser Version würde ich dem Herrn Odysseus aber mal ganz dringend einen Besuch beim Fachmann andienen, damit er sein PTSD und seine Surviours Guilt irgendwie unter Kontrolle kriegt. Nicht ständig alles in dich rein fressen (wortwörtlich), auch mal ein bisschen reflektieren! ;-)

Ansonsten, interessant geschnitten. Die Erzählung springt immer zwischen dem Herrn auf seiner Irrfahrt und den zu Hause auf ihn Wartenden hin und her, sowohl zeitlich als örtlich. Man muss schon aufpassen, sag ich mal. Man lässt sich so leicht von den epischen iMax-Eindrücken ablenken, die an diversen Schauplätzen in Europa und Nordafrika eingefangen wurden. (Wie gesagt, in tatsächlichem 2:1 - oder was hat iMax noch mal? - wahrscheinlich noch viel überwältigender.) Alles sehr hübsch (oder auch dreckig und beklemmend, je nachdem, wo wir uns gerade in der Handlung befinden).

Und erstaunlich ist auch, dass, wenn man das Drehbuch entsprechend schreibt, das ganze Thema auch nach (n+1)-tausend Jahren noch immer so eine gewisse Aktualität hat. Die Schauspieler sind durchweg überzeugend, die Dialoge manchmal allerdings für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr on the nose. Aber wahrscheinlich muss man heutzutage ja große Plakate hochhalten, auf denen die Motivation der Charaktere aufgemalt ist, damit die ChatGPT-verseuchte Menschheit überhaupt das Hirn anschaltet. Es ist halt kein Fast-Food-Superhero-Blockbuster. (Also, Blockbuster wahrscheinlich schon, aber einer mit teilweise nicht ganz so subtiler Aussage.)

Schauspieler: Haben alle durch die Bank eine gute Leistung angeliefert. Ist bei den Namen, die da verbraucht wurden, aber auch sicher zu erwarten gewesen. Warum die Schneeflocken jetzt alle auf den Barrikaden stehen, weil Helena mal ausnahmsweise nicht von Schneeweißchen gespielt wurde, tja, was weiß ich. Sehe ich nicht so. Ganz im Gegenteil, ich glaube, dass das ihrer Rolle fast noch mehr Tiefgang gibt.

Was mich zu einer etwas tiefergehenden Analyse bringt, die dann aber evtl. nicht mehr ohne Spoiler wäre:

Ich weiß ja nicht, worüber der Herr Nolan so alles nachgedacht hat, während er das Drehbuch schrieb oder schreiben ließ. Aber möglicherweise über einen bestimmten Präsidenten, der zur Zeit ja auch ständig gegen Zeus' Gesetz verstößt und jetzt stehen wir am Ende einer großen Zivilisation, weil wir uns selber zu den plündernden Seevölkern entwickelt haben... Meine Interpretation... Überhaupt dreht sich in diesem Film viel um die Götter und deren Undurchschaubarkeit - also tatsächlich nah an der Vorlage. Odysseus wird zB ständig von Athene verfolgt (und gegen Ende wissen wir auch, wieso), die noch eine Rechnung mit ihm offen hat oder umgekehrt. Seine Frau hat sie ihm schließlich mit gegeben auf seine Fahrt nach Troja und dann guckt er zu, wie... aber ich wollte ja nicht spoilern. ;-)

Besonders wird das Gesetz der Gastfreundschaft (besagtes Gesetz des Zeus) in den Vordergrund geschrieben und dass der Verstoß dagegen Unheil und Verderben bringt. (Die ganzen theologischen Zusammenhänge werden am Rande erwähnt, aber nicht weiter erklärt; das würde wohl auch ein bisschen langatmig werden. Wer sich aber ein bisschen auskennt, wird einige der Aussagen der Agierenden genauer heraus hören und sich vielleicht erinnern, sowas schon mal irgendwo gehört oder gelesen zu haben. Vielleicht bin das aber auch nur ich, weil ich ja schon vor 40 Jahren meinen Eltern die alte Ausgabe von "Götter, Gräber und Gelehrte" aus den Rippen geleiert habe.) Und es wird eigentlich ständig und ununterbrochen dagegen verstoßen: Von den Heiratsanwärtern in der Burg auf Ithaka, von den Griechen, als sie Troja erobern und auf ihrem Heimweg, ja auch von Odysseus selber, ständig und ununterbrochen. Daneben ist, dass man die Gefallenen nicht würdig bestatten kann (oder will), ebenfalls ein wichtiges Plotelement, und alles nur, weil Odysseus eben - gegen besseres Wissen - versucht, zumindest einige seiner Truppen wieder nach Hause zu führen.

Fazit: Ein ziemlich episches Drama, so geschrieben, dass man es durchaus auf aktuelle Probleme der Gegenwart anwenden kann. Aber das ist ja das Spannende an solch altem Stoff: Man kann ihn immer wieder so neu weben (und nachts wieder aufdröseln), wie es einem gerade passt! ;-)